Zwei Fische nutzen ihre Ingenieurskunst, bauen ein geniales Gerät und erleben ein großes Weihnachtsabenteuer außerhalb des Aquariums.
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Ich heiße Barti - und ja, ich bin ein Fisch. Aber nicht irgendein Fisch, sondern einer mit einer geheimen Leidenschaft für Tüfteleien und Abenteuer. Während die meisten meiner Artgenossen ihr Leben damit verbringen, gelangweilt durchs Aquarium zu schwimmen oder gelegentlich nach Futter zu schnappen, habe ich mir heimlich eine Werkstatt eingerichtet. Ja, eine richtige Werkstatt. Zwischen glitzernden Kieselsteinen, Plastikpflanzen und den kleinen Höhlen, in denen mein Besitzer Pupsi mich im Aquarium jeden Tag beobachtet, befindet sich meine kleine Bastel-Oase - das Herzstück jedes großen Abenteuers, das ich je unternommen habe.
Mein bester Freund Marti ist ebenfalls ein Fisch. Er ist zwar kleiner und ein bisschen chaotisch, aber genial, wenn es ums Bauen geht. Zusammen haben wir schon so manches Gerät erfunden: Mini-Hebebühnen für Schnecken, Unterwasser-Rutschbahnen und einmal sogar einen winzigen Roboter, der die Algen im Aquarium abkratzt. Heute allerdings, an einem besonders kalten Dezembermorgen, hatten wir ein ganz besonderes Projekt vor uns: ein Atemgerät, das uns erlauben würde, das Aquarium zu verlassen.
Unsere Werkstatt liegt hinter einem halb zerfallenen Plastikfelsen, in der Nähe der Wasserpumpe, die ständig leise vor sich hin brummt. Über unserer Werkstatt hängt ein Schild mit der Aufschrift Bartis Blubbermacher Ingenieurskunst GmbH & Co. KG. Über die Jahre haben wir alles gesammelt, was Pupsi weggeworfen oder übersehen hat: ein altes Kronkorken-Set, winzige Gummibänder, durchsichtige Plastikstrohhalme, einen zerbrochenen Stift und sogar die Reste eines Kugelschreibers, der perfekt als Mini-Bohrmaschine dient. Jeder Gegenstand hat bei uns eine neue Bestimmung.
"Barti, bist du sicher, dass wir das heute schaffen?" fragte Marti nervös, während er eine winzige Plastikfolie zurechtschnitt. "Ich habe das Gefühl, wir könnten die Werkstatt in die Luft jagen, wenn wir nicht aufpassen."
"Natürlich!", sagte ich selbstbewusst, obwohl mein Bauch kribbelte. "Es ist Weihnachten. Wenn nicht jetzt, wann dann? Stell dir vor, wir könnten Pupsi bei seinen Hausaufgaben helfen. Wir sehen ihm schließlich jeden Tag zu, wenn er hier sitzt, schreibt, radiert und seufzt - da lernt man als Fisch zwangsläufig mit. Stell dir nur vor, wie seine Augen leuchten werden!"
Ich grinste und schwebte durch unsere Werkstatt. Überall lagen kleine Kuriositäten: ein zerbrochenes Lineal als Maßstab, ein Fingerhut als Behälter für Schrauben und ein Mini-Strohhalm-Katapultschild.
Die Werkstatt war also nicht nur unser geheimer Ort des Tüftelns, sondern auch ein Abenteuerpark für mutige Fische. Und heute würde sie zum Schauplatz unseres größten Projekts werden: ein Atemgerät für Fische. Ich spürte schon jetzt das prickelnde Gefühl, dass dieses Weihnachten alles andere als gewöhnlich werden würde.
Das Atemgerät war kompliziert. Wir probierten alles Mögliche aus: Blasebälge aus Schwamm, Luftschläuche aus zurechtgeschnittenen Strohhalmen und sogar einen Mini-Kompressor aus einem halben Kugelschreiber. Doch nichts funktionierte. Marti war kurz davor, aufzugeben:
"Barti, wir drehen uns im Kreis. Mein kleiner Fischkopf raucht schon - uns fehlt eine neue Idee!"
Ich schwamm nervös auf und ab. "Moment... warte... gestern saß Pupsi neben dem Aquarium. Ich habe nur zufällig hingeschaut... und er hat im Aquaristik-Katalog gestöbert. Genau das war es!... irgendetwas mit Luft und Wasserpflanzen... wir müssen Wasser und Luft kombinieren!"
Marti sah mich skeptisch an. "Wie soll das funktionieren, Barti? Ich meine, Luft durch Wasser... das klingt nach einer verrückten Fantasie."
"Nein!", rief ich dramatisch. "Pupsi hat uns die Lösung indirekt gegeben!"
Marti flüsterte: "Okay, aber wenn das nicht klappt ist Weihnachten für uns gelaufen."
"Niemals!", erwiderte ich und wuchtete ein winziges Kronkorken-Teil in Position. "Wir sind Barti und Marti, die größten Fisch-Erfinder aller Zeiten!"
Wir setzten das Atemgerät zusammen und testeten es vorsichtig. Ein Zischen, ein Blubbern. Und tatsächlich, es funktionierte.
"Pssst!", piepste ich. "Marti, das funktioniert! Ich kann es fühlen!"
Marti und ich konnten atmen wie winzige, glückliche Luftfisch-Pioniere.
"Also gut", sagte Marti. "Jetzt können wir raus. Aber wir müssen vorsichtig sein. Pupsi darf uns unter keinen Umständen entdecken!"
"Keine Sorge", antwortete ich selbstbewusst. "Wir sind die geheimen Weihnachtshelden des Aquariums. Und das Beste: Pupsi hat uns fast unbemerkt die entscheidende Idee geliefert.
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Nach einem anstrengenden Tag des Tüftelns und Probierens, während die letzten Blubberblasen durch das Aquarium stiegen, brach die Nacht herein. Pupsi schlief tief und fest, eingekuschelt in seine Decke, während sein Zimmer vom Duft des Tannengrüns erfüllt war, das er mit seiner Mutter dekoriert hatte. Die kleinen Lichterketten glitzerten wie Sterne, die Weihnachtskugeln hingen wie schwebende Planeten in einer Mini-Galaxie. Perfekter Moment für unser Abenteuer.
"Bist du bereit?" flüsterte ich.
"Bereit!", antwortete Marti, noch aufgeregter als gewöhnlich.
Vorsichtig schwammen wir an die Wasseroberfläche. Die Luft über uns wirkte riesig und fremd. Marti schnappte nach Luft - nun ja, so gut ein Fisch mit Atemgerät das eben kann - und flüsterte: "Barti, ich... ich glaube, wir sind winzig im Vergleich zu dieser Welt!"
"Keine Zeit zum Staunen", warnte ich. "Wir haben Hausaufgaben zu erledigen!"
Wir glitten vorsichtig über den Schreibtisch, der für uns jetzt wie ein wilder Dschungel wirkte. Überall lagen Hindernisse: ein umgekippter Stiftständer, glitzernde Kugeln, ein gestapeltes Büchergebirge und der riesige Tannenzweig, der wie ein umgestürzter Baum auf uns wartete.
"Das ist... verrückt", murmelte Marti. "Ich hätte nie gedacht, dass wir einmal auf dem Schreibtisch eines Menschen wie Entdecker durch den Dschungel kriechen würden."
Wir sprangen, glitten und tauchten durch das Minenfeld aus Stiften, Kugeln und Lampe. Endlich hatten wir den Schreibtisch überquert und erreichten die perfekte Position: Pupsi's Biologie-Heft lag offen vor uns, direkt in Reichweite.
"Geschafft!", flüsterte Marti, kaum zu glauben, dass wir lebendig hier angekommen waren. "Wir haben es durch den Schreibtischdschungel geschafft!"
Mit zitternden Flossen, aber einem triumphierenden Gefühl standen wir schließlich vor unserem Ziel: die Biologieaufgaben von Pupsi. Und obwohl wir noch nicht einmal damit begonnen hatten, fühlten wir uns wie Helden, die gerade ein Weihnachtswunder vollbracht hatten - noch bevor es überhaupt richtig angefangen hatte.
Pupsi hatte eine besonders knifflige Aufgabe: "Beschreibe die Anpassungen von Fischen an ihren Lebensraum". Wir wussten, dass er schon einiges verstanden hatte, aber ein paar Details fehlten ihm noch.
"Wir müssen ihm helfen, ohne dass er es merkt", flüsterte Marti.
Wir watschelten vorsichtig auf das offene Heft zu. Aus unserer Mini-Perspektive sah alles riesig aus: die Linien auf dem Papier waren wie Straßen und die Buchstaben wie kleine Gebäude.
Marti glitt elegant über den Rand der Seite und stupste einen winzigen Bleistift in Position. "Ich halte das Schreibgerät bereit. Und denk dran: sauber arbeiten. Keine Flecken, sonst merkt es Pupsi sofort."
Wir betrachteten die Aufgabe. Pupsi sollte die Anpassungen von Fischen beschreiben: Kiemen zum Atmen, Flossen zum Schwimmen, Schleimhaut zum Schutz, Körperform zur Tarnung und noch vieles mehr.
"Okay, Marti, wir müssen die Informationen auf verständliche Weise darstellen", flüsterte ich. "Und wir müssen kreativ sein - schließlich sind wir winzige, geheime Helfer!"
"Also gut...", antwortete Marti. "Ich zeichne zuerst die Kiemen. Aber wie sollen wir die winzig genug machen, ohne dass es wie ein Klecks aussieht?"
"Wir nehmen die Spitze des Bleistifts nur leicht, fast wie eine Feder", schlug ich vor.
Mit vorsichtigen Bewegungen begannen wir, die Kiemen zu skizzieren. Marti zeichnete präzise kleine Bögen, ich ergänzte die Flossen.
"Perfekt!", flüsterte ich. "Jetzt die Schleimhaut. Ich zeige Pupsi, wie sie Fische schützt."
Wir zeichneten kleine Wellenlinien auf den Körper der Fischskizze, fast wie ein Miniatur-Schutzschild.
Dann kamen die Flossen. "Die Flossen müssen elegant sein, nicht wie Schwimmflügel", erklärte Marti, während er die winzigen Linien vorsichtig zog.
Schließlich blieb noch die Körperform, die zur Tarnung dient. Wir malten winzige Muster, die wie kleine Streifen und Punkte aussahen, und erklärten dabei, wie Fische sich an ihre Umgebung anpassen, um nicht gefressen zu werden.
"Fast fertig!", flüsterte ich stolz. "Jetzt nur noch das letzte Detail: die Erklärung, wie jede Anpassung funktioniert."
Wir formten winzige Buchstaben, fast wie Miniatur-Roboter, die das Papier erklommen.
Marti nickte und grinste. "Ich hätte nie gedacht, dass wir einmal Hausaufgaben als Abenteuer erleben."
Ich sah auf das fertige Blatt. Alles sah ordentlich aus, die Diagramme waren klar, die Anpassungen verständlich erklärt. "Fertig!", flüsterte ich triumphierend. "Pupsi wird morgen strahlen."
Gerade als wir die letzten Details eintrugen, hörten wir ein leises Murmeln. Pupsi sprach im Traum zu sich selbst:
"Geht es um das Leben im Süß- oder Salzwasser?"
Ich hielt den Atem an. Pupsi hatte uns erneut indirekt den perfekten Gedanken geliefert.
"Er ist ein Genie!", flüsterte Marti. "Wer hätte gedacht, dass er uns sogar hilft während er schläft?"
Wir schrieben die Antwort ausführlich fertig.
"Mission erfolgreich!", flüsterte ich. "Und Pupsi hat uns sogar indirekt die letzte Idee geliefert - er weiß es nur nicht."
Nachdem wir die Hausaufgaben perfekt erledigt hatten, wussten wir: Zeit, zurück ins Aquarium. Doch der Rückweg war voller Gefahren.
"Bleib ruhig und beweg dich langsam", flüsterte ich. "Wir sind kleine, heimliche Helden. Eine falsche Bewegung - und Weihnachten ist vorbei!"
Wir glitten vorsichtig über den Schreibtisch, duckten uns unter Papierstapeln und schossen wie kleine Schatten zwischen den Glitzerkugeln hindurch. Eine der Kugeln rollte plötzlich gefährlich in unsere Richtung. Für eine Sekunde dachte ich, wir würden als glitzernde Fischpfannkuchen enden. Marti versuchte, sie aufzuhalten - glitt dabei aber aus und rutschte wie auf einer winzigen Eisbahn über das Papier.
Marti schnappte nach Luft, oder eher nach der Luft im Atemgerät, und murmelte: "Barti, ich glaube, wir sind zu ungelenk für diesen Schreibtisch-Dschungel. Wir brauchen eine Strategie."
"Ich habe eine Strategie", antwortete ich. "Wir gehen wie Ninja-Fische: leise, flink, jeder Schritt sitzt - oder so gut, wie Schritte eben sitzen können, wenn man Flossen hat."
Wir hangelten uns wie Ninjas zwischen den Hindernissen hindurch: über Bücherstapel, unter Stiftehaltern durch, vorbei an Lego-Steinen. Wir mussten das Atemgerät balancieren, als wäre es ein schützender Schatz.
Endlich erreichten wir Ninja-Fische die Wasseroberfläche. Das Atemgerät funktionierte einwandfrei, wir tauchten unter, und hinter uns verschwamm der Schreibtischdschungel zu einem glänzenden Chaos.
"Geschafft!", jubelte Marti. "Wir sind wieder im Aquarium und niemand hat uns gesehen."
"Und die Hausaufgaben sind perfekt!", fügte ich hinzu. "Pupsi wird strahlen wie der Weihnachtsbaum!"
Wir schwammen langsam zu unserem Plastikfelsen, versteckten das Atemgerät sicher hinter Kieselsteinen und ließen uns erschöpft, aber triumphierend in unserem Wasserheim nieder.
"Weißt du, Marti", flüsterte ich, "dieses Weihnachten wird uns keiner vergessen - nicht wegen der Hausaufgaben, sondern wegen des spektakulärsten Aquariums-Ausflugs aller Zeiten."
"Und Pupsi wird nie erfahren, dass wir es waren", fügte Marti hinzu. "Es bleibt unser Geheimnis - das perfekte Weihnachtsabenteuer."
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Am nächsten Morgen saß Pupsi am Schreibtisch, die Augen weit aufgerissen, sein Blick glitt über das Biologie-Heft. Er starrte auf die Diagramme, die Skizzen der Kiemen, Flossen und Schleimhaut, die so perfekt gezeichnet waren, dass sie fast lebendig wirkten.
"Wie... wie ist das möglich?", murmelte er, seine Stirn in Falten gelegt. "Ich... ich habe das gestern nicht fertig bekommen!"
Ich schwamm hinter meinem Plastikfelsen und grinste. Marti glitt neben mir und zwinkerte.
"Das ist unglaublich", flüsterte Marti. "Wir haben es wirklich geschafft. Pupsi wird niemals herausfinden, dass wir geholfen haben."
Pupsi kratzte sich nachdenklich am Kopf. "Vielleicht war ich gestern so müde, dass ich es im Schlaf gemacht habe ... oder - warte mal - vielleicht habe ich einen geheimen Hausaufgaben-Agenten!"
Ich gluckste. "Geheimagenten, die blubbern, das klingt nach uns!"
Pupsi legte das Heft zur Seite und strahlte plötzlich. "Ich werde nach den Ferien eine eins bekommen! Ich weiß es! Und ich habe keine Ahnung, wie... na ja, egal. Danke, kleiner Hausaufgaben-Elf... oder wer auch immer."
Marti gluckste: "Wir könnten uns eine Auszeichnung ausstellen. Für heldenhafte Rettung der Hausaufgaben und heimliche Rettung der Menschheit - äh, der Schulnote!"
Und so endete unser geheimes Weihnachtsabenteuer: Wir, Barti und Marti, die beiden schlauen Fische hatten nicht nur Pupsi bei seinen Hausaufgaben geholfen - dank seiner indirekten Ideen - sondern auch die größte Mission unseres Fischlebens gemeistert. Heimlich, witzig, spannend und glitzernd wie die Weihnachtslichter über dem Schreibtisch.
Wir hatten gelacht, gesprungen, gerettet und getüftelt - und alles unbemerkt. Weihnachten war gerettet, Pupsi war glücklich, und wir hatten das perfekte Abenteuer erlebt, eines, das für immer in unseren kleinen Fischherzen glitzert.